Schuld sind immer die anderen

Schuld sind immer die anderen. Die Welt so zu sehen ist ziemlich angenehm. Denn wenn die Anderen schuld sind, dann müssen wir selbst ja ziemlich in Ordnung sein. Und so stimmt halt mit dem Rest der Welt etwas nicht. Ich bin also das Opfer. Und damit steht auch direkt fest, dass nicht ich mich ändern muss, sondern der, der halt gerade Schuld ist. Am liebsten sofort. Und mit einer überschwänglichen Entschuldigung an mich.

Wer jetzt als erstes denkt – Stimmt, ich kenne einen Haufen Leute, die genau so sind! Mann, gehen die mir auf den Sack! – der sollte besonders aufpassen. Denn das könnte direkt der erste Hinweis darauf sein, dass natürlich nicht man selbst, sondern alle anderen das Problem sind. Natürlich kann das gleichzeitig auch bedeuten, dass man eine Menge anderer Menschen kennt, auf die die Beschreibung passt. Schließt sich ja beides nicht aus…

So, aber jetzt mal zur praktischen Seite dieser Beobachtung: Wenn andere das Problem sind, dann kann ich an dem Problem nichts ändern. Ich kann vielleicht die Menschen aus meinem sozialen Umfeld aussortieren, die sich stur weigern, sich auch mal an die eigene Nase zu fassen, aber jeder andere Weg ist äußerst mühsam. Denn eine andere Person zu ändern, schaffe ich höchstens, indem ich positive Impulse gebe und mein Gegenüber offen für diese Impulse ist. Das dürfte besonders schwierig sein, wenn jemand davon ausgeht, dass nicht er sondern alle anderen sich Gedanken machen sollten.

Wenn ich mir aber eingestehe, dass ich zumindest ein Teil des Problems bin, dann habe ich gleich sehr viel mehr Kontrolle über die Situation. Denn mich selbst kann ich ändern.