Gesprächstherapie

Welche Probleme kann man mit Gesprächstherapie lösen?

Gesprächstherapie, genauer gesagt die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie nach Carl R. Rogers, kann in vielen Bereichen sehr wirkungsvoll sein. Sie kommt unter anderem in folgenden Fällen zum Einsatz:

  • alltägliche Krisen (Partnerschaft, Beruf, Familie)
  • Ängste und Sorgen
  • Niedergeschlagenheit, leichte und mittelschwere Depressionen
  • Anpassungsstörungen
  • Stresszustände, Anspannung und Erschöpfung
  • mangelndes Selbstwertgefühl
  • fehlendes Selbstvertrauen oder geringes Selbstbewusstsein
  • Einsamkeit und Trauer
  • Sinnsuche und Selbsterkenntnis
  • Verständnis der eigenen Gefühlswelt und der anderer Personen
  • Begleitung für Angehörige

Auch bei schweren psychischen Erkrankungen kann Gesprächstherapie eingesetzt werden. Hierbei kommen dann oft verschreibungspflichtige Medikamente zum Einsatz. Deshalb ist es ratsam, sich in diesem Fall an einen Psychiater zu wenden, da dieser nicht nur die psychotherapeutische Betreuung, sondern auch die medikamentöse Behandlung durchführen kann. Der Psychotherapie Informationsdienst hilft Ihnen bei der Suche nach einem geeigneten Psychiater.

Wie funktioniert Gesprächstherapie?

Die Gesprächspsychotherapie nach Carl R. Rogers arbeitet, wie der Name schon verrät, über das Gespräch zwischen Klient und Therapeut. Über etwas zu sprechen, eine Erfahrung zu teilen ist erst einmal entlastend. Das trifft allerdings auch auf ein Gespräch mit einem Partner oder oder einer anderen Vertrauensperson zu. Damit ein Problem gelöst oder eine Krise überwunden werden kann, ist aber oft mehr nötig. Eine echte Auseinandersetzung mit sich selbst und damit die nachhaltige Problemlösung wird in der Gesprächstherapie dadurch ermöglicht, dass der Therapeut keine Lösung von außen vorgibt, sondern dem Klienten die Ausgangsbedingungen bietet, selbst eine Lösung zu erarbeiten. Dabei sind vor allen Dingen drei Eigenschaften wichtig:

  • Authentizität/ Echtheit /Kongruenz
  • bedingungslose positive Wertschätzung
  • Empathie / Einfühlungsvermögen

Nach Rogers sind dies die Grundpfeiler, um vertrauensvoll miteinander umzugehen. Nur wenn der Therapeut Zugang zu seinen eigenen Gefühlen hat, kann er dem Klienten authentisch gegenübertreten, ihm bedingungslose Wertschätzung entgegenbringen und sich empathisch auf dessen Gefühlswelt einlassen. Nur dann kann er dem Klienten ehrliches Feedback geben und ihn in seiner Lösungsfindung bestärken ohne eigene Ziele zu verfolgen. Dies fördert die Tendenz zur Selbstaktualisierung, die nach Rogers jedem Menschen innewohnt und damit der nachhaltigen Heilung von inneren Wunden und überholten Handlungsmustern.

Was genau ist unter Selbstaktualisierung zu verstehen?

Selbstaktualisierung bedeutet sowohl, sich selbst besser kennenzulernen, als auch mehr man selbst sein zu können. Es geht also um einen Lernprozess, in dem der Klient sich selbst in den Blick nimmt und dabei innerlich wächst. Dies ist über die zwischenmenschliche Beziehung zum Therapeuten möglich. Durch intensiven Austausch und Feedback wird der Klient nicht nur in seiner Problemstellung/ Thematik vorangebracht, er erfährt dabei auch, wie er von einem wohlgesonnenen Gegenüber wahrgenommen wird. Dies ermöglicht ihm, die Blockaden und Ängste hinter sich zu lassen, die ihn daran hindern, sein ureigenes Persönlichkeitspotential zu entfalten – er hat die Möglichkeit zur Selbstaktualisierung.

Das Menschenbild in der Gesprächstherapie

Jede Therapie bringt ein bestimmtes Menschenbild mit sich. In der klassischen Psychoanalyse ist der Mensch zwischen seinem Über-Ich, seinem Ich und seinem Es ständig am verhandeln und sieht die Ergebnisse dieser Bemühungen auch im Kontakt mit anderen Menschen. Die systemische Therapie fokussiert sich auf den Menschen als Teil eines komplexen Umfelds, das ihn prägt und mit dem er in ständiger Auseinandersetzung steht. Die Verhaltenstherapie sieht den Menschen in seiner Entwicklung durch überholte innere Überzeugungen und Handlungsmuster beschränkt und versucht, diese durch neue, förderliche Varianten zu ersetzen.

Carl R. Rogers wiederum betrachtet den Menschen als ein soziales Wesen, das von Natur aus den ständigen Antrieb mitbringt, sich in seinem ureigenen Wesen zu entfalten. Der Mensch muss also nicht von außen dazu angehalten werden, sich weiterzuentwickeln. Allerdings braucht er ein Gegenüber, durch das er das Feedback bekommt, das diese Entwicklung fördert, beschleunigt oder die fehlerhafte Selbstwahrnehmung korrigiert. Denn nur in der Begegnung mit einem anderen Menschen ist die Selbstwahrnehmung möglich, und nur die Selbstwahrnehmung ermöglicht Selbstverwirklichung. Auf dieser Grundlage hat Rogers die klientenzentrierte Gesprächstherapie entwickelt, die genau diese Aspekte als wichtigste therapeutische Grundlage berücksichtigt.